Praxisklasse trifft Wandergesellen auf der Walz

Heute hier, morgen fort - Hunderte junge Handwerker folgen einer Uralt-Tradition: Sie dürfen auf der Walz kein Geld für Schlafen oder Reisen ausgeben, und schon gar nicht nach Hause. Einblicke in eine Welt voller Geheimregeln.

Sie tragen Schlapphut und Ohrringe, schwarze Trichterhosen und eine perlmuttgeknöpfte Weste über dem weißen Hemd. In ihrer Kluft fallen sie auf wie Pinguine in einer Spatzenschar. So fiel den Schüler/innen der Praxisklasse auf ihrem Ausflug nach München sofort der Wandergeselle auf, dessen Weg sie auf dem Marienplatz kreuzten. Er befinde sich mittlerweile seit neun Monaten auf der Walz, wie er sogleich erzählte: „Auf der Walz sein“ bedeutet „er ist als Handwerksbursche gerade auf Wanderschaft“. Sein Beruf ist Tischler und er wandert von Betrieb zu Betrieb, um dort für Kost und Unterkunft mitzuarbeiten. Wanderburschen dürfen kein Geld verdienen und auch keins mit sich führen und auch keine öffentlichen Verkehrsmittel oder Autos benutzen.

Er kommt aus dem Norden Deutschlands und hat bereits halb Europa/Deutschland? „bewandert“. Sein nächstes Ziel ist Frankreich. Geschenke dürfen sie annehmen und deshalb bekam er von uns ein Päckchen Gummibärchen, welches jemand von uns dabei hatte.

Bis ins späte 18. Jahrhundert musste jeder Handwerksgeselle, der ein Meister werden wollte diese Wanderschaft antreten.

Die Wanderschaft ist eine in jeder Beziehung praxisnahe Lebensschule, die jedem fremden Gesellen ein gesundes Selbstvertrauen gibt, seinen Horizont erweitert und die berufliche Erfahrung vervielfältigt.

Davon zehrt er wohl sein ganzes Leben!

 

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