Das Mädchenschulhaus im ehemaligen Salzamtsgebäude

003Die Schule in der Hofstatt besuchten Mädchen und Buben, bis die „Englischen Fräulein“ im Jahr 1855 „auf Wunsch des Bürgermeisters Joseph Schweighart sowie auf Drängen des Stadtpfarrers Paul König“ nach Wasserburg kamen, um hier eine Zweigniederlassung der von Maria Ward im 17. Jahrhundert ins Leben gerufenen Gemeinschaft „Beatae Mariae Virgins“ zu gründen.

Vier Lehrerinnen, zwei Hausschwestern und eine Oberin übernahmen am 5. Juni das ehemalige Salzamtgebäude der Stadt als Schulhaus (jetzt Hs. – Nr. 4, Kasper-Aiblinger-Platz).

Die Freude, mit der man in Wasserburg die „Gründung des Mädchenschulhauses“ begrüßte, brachte Stadtschreiber J. Heiserer in einem Festgedicht zum Ausdruck, dessen letzte Strophe dem Dank an die Obrigkeit gewidmet war:

 

„Nun dankt dem König’, seinen Räthen,

Den Gönnern für Geschenk und Müh’,

Erflehet täglich in Gebeten

Den Segen Gottes über sie

Und dieses Werk – in späten Tagen

Wird es noch gold’ne Früchte tragen.“

Gut ein halbes Jahrhundert erfüllte das Schulhaus dann auch seine Aufgabe. Die Raumnot wurde – wie im Knabenschulhaus in der Hofstatt auch – aber immer drückender, obwohl die „Englischen Fräulein“ einige Nachbarhäuser kaufen konnten, betreuten sie doch neben der Volksschule ein Pensionat, eine „Kleinkinderbewahranstalt“ und ein „Marienheim für Waisenmädchen“.

In einem Schreiben der „Kgl. Regierung von Oberbayern, Kammer des Inneren“ vom 7. Januar 1893, das sich auf eine Schulinspektion des Vorjahres bezieht, heißt es u. a.: „In den Schulzimmern der ersten und der dritten Schulabteilung (vier gab es insgesamt) sitzen in einigen viersitzigen Bänken fünf Kinder“.

Auch sonst gab es einiges zu bemängeln. Die Schulbänke nach dem damals geforderten „Schmid’schen System“ wurden zum Preis von 23 Mark je Bank zwar beschafft, die Raumnot und manche Ausstattungsdefizite blieben jedoch bestehen.

Zunächst dachte man an einen Ausbau des Schulhauses. Die Vorschläge des Architekten Rieperdinger und des Stadtbaumeisters Schwarzenberger fanden wegen verschiedener ungelöster Probleme aber kein Gefallen bei der Regierung.

Deshalb waren alle Beteiligten erleichtert, als die Oberin des „Englischen Instituts“ im Juli 1911 erklärte, „dass sie ein großes Interesse daran hätte, das ganze Gebäude käuflich zu erwerben, falls seitens der Generaloberin des Ordens kein Einwand erhoben werde und die Kaufsbedingungen entsprächen“. (Mitteilung des rechtskundigen Bürgermeisters Ertl an das Kgl. Bezirksamt Wasserburg vom 22. Juli 1911).

Damit wurden der Gemeinde einige Finanzsorgen genommen; man konnte an den Neubau eines Mädchenschulhauses denken.